METALLE IM HÖHENFLUG: Der “Werteflüsterer”
13. November 2020

Wer kennt es nicht: Das Guinness-Buch der Rekorde. Seit seiner Erstausgabe 1955 erscheint dieses Buch jährlich mit den besten und teilweise auch schrägsten Rekorden rund um den Globus. Uns ist zwar nicht bekannt, ob es auch einer unserer ECHTEN WERTE zu einem Eintrag in dieses besondere Buch geschafft hat. Jedoch haben unsere ausgewählten Rohstoffe jede Menge Fakten zu bieten, die einem Guinness-Rekord doch sehr nahekommen. Dabei ist an der einen oder anderen Stelle Schmunzeln erlaubt und auch erwünscht ;-)…

Dass Gallium zu den Metallen gehört, das mit den niedrigsten Schmelzpunkt besitzt, wissen alle, die schon einmal in Embrach eine Tresorbesichtigung miterlebt haben. Nur: Besitzt Gallium mit einem Schmelzpunkt von knapp 30 °C auch den Rekord für den niedrigsten Schmelzpunkt aller Metalle?

Kurzer Trommelwirbel……und Gallium landet in dieser Disziplin auf…… Platz 4! Nicht mal aufs Treppchen hat es Gallium geschafft. Hätten Sie das gedacht?

Den Titel in dieser Kategorie holt sich mit einem deutlichen Abstand Quecksilber. Dieses Metall schmilzt bereits bei -39 °C. Die Plätze 2 und 3 holen sich in einem Herzschlagfinale Francium (27,0 °C) und Cäsium (28,4 °C).

Versuchen wir es mit einem anderen Metall. Wie wäre es mit Indium in der Kategorie weichstes Metall. Allerdings gibt es, wie aus nebenstehender Übersicht ersichtlich wird, auch da einige Kandidaten, die sogar noch weicher sind als Indium.

Allerdings gehört Graphit – also Kohlenstoff – nicht zu den Metallen. Und die restlichen Elemente gehören alle zu den zu sogenannten Alkalimetalle. Von daher dennoch ein beachtliches Ergebnis für Indium.

Aber wir geben nicht auf. Neuer Versuch. Nehmen wir dieses Mal Wolfram, da geht sicher was…

Und zwar nehmen wir die Kategorie härteste Metalle…

Echt jetzt? Nur Platz 3 hinter Bor und Chrom? (Kohlenstoff gehört, wie oben schon erwähnt, nicht zu den Metallen)

Immerhin endlich mal auf dem Treppchen gelandet. Und mit Chrom (2.), Rhenium (4.) und Tantal (9.) haben unsere ausgewählten Metalle zudem ein sehr gutes Mannschaftsergebnis erreicht.

Aber Platz 1 wäre auch mal schön. Also nächste Kategorie: höchster Schmelzpunkt aller Metalle…

Durchbruch mit Wolfram

Na also! Geht doch…

Unsere ECHTEN WERTE räumen in dieser Rubrik so richtig ab. Die Plätze 1, 2, 4, 5 und 9 sind fest in der Hand unserer Metalle!

Wirklich beeindruckend.

Und wenn es schon gerade so gut läuft, dann setzen wir noch einen drauf und schauen mal, welche Materialien die höchsten Schmelzpunkte besitzen. Und hier konnten nur drei Kandidaten ermittelt werden: Hafniumcarbid, Tantalcarbid und Tantal-Hafniumcarbid.

Bevor wir das Ergebnis präsentieren ein kurzer Ausflug in die Chemie. Carbid-Verbindungen bestehen aus zwei Elementen, von denen eines aus Kohlenstoff besteht. Macht auch irgendwie Sinn, wenn Kohlenstoff den höchsten Schmelzpunkt aller Elemente besitzt.

Überraschenderweise gehört Wolframcarbid – eine logische Schlussfolgerung aus obiger Grafik – nicht zu den Topmaterialien mit den höchsten Schmelzpunkten. Letztlich setzt sich aktuell Hafniumcarbid mit einem Schmelzpunkt von 3958 °C gegenüber Tantalcarbid (3768 °C) durch. Aktuell deswegen, da vermutet wird – also noch nicht bewiesen –, dass Tantal-Hafniumcarbid (TaC4HfC5) einen Schmelzpunkt von 3990 °C besitzt (Quelle: elektormagazine.de).

Mit dem Triple zum Siedepunkt

Dann schauen wir mal auf eine weitere, logisch folgende Kategorie: höchster Siedepunkt aller Elemente. Auch hier lässt sich die Tabelle aus der Rubrik höchster Schmelzpunkt nicht Eins zu Eins übertragen. Denn in dieser Rubrik hat dann tatsächlich Wolfram mit 5660 °C die Nase vorn, dicht gefolgt von Rhenium (5627 °C) und Tantal (5425 °C). Und weil es so gut passt: Auch Platz 4 geht in dieser Rubrik an eines unserer Metalle. Denn auch Hafnium macht hier mit einem Siedepunkt von 5400 °C eine sehr gute Figur.

So, gehen wir weiter und schauen mal, welches Element die längste aktuell bekannte Halbwertszeit in unserem Sonnensystem besitzt.

Machen wir es kurz: Tellur-128 gewinnt diese Disziplin mit 7,2·1024 Jahre! Ob es dann noch unseren Tresorraum in Embrach gibt, steht dann natürlich auf einem anderen Blatt. Mit Germanium-76 (1,5·1021 Jahre) und Zirkonium-96 (3,9·1019 Jahre) holen sich unsere ECHTEN WERTE das komplette Siegertreppchen (Quelle: fh-muenster.de).

So langsam haben wir den Dreh raus :-).

Nächste Kategorie: Elektrische Leitfähigkeit der Elemente.

Diese Kategorie spielt natürlich eine wesentliche Rolle bei sämtlichen elektronischen Anwendungen, angefangen von der Stromproduktion über Energienetze bis hin zur Vielfalt an Elektrogeräten, die in unser Leben mehr und mehr Einzug erhalten. Stichworte: Digitalisierung, intelligente Produkte und Infrastrukturen.

Für Besucher unserer einzigartigen Tresorbesichtigungen ist es keine Überraschung, dass ganz oben auf der Liste das Edelmetall Silber thront.

Mit Gold (3.) konnte sich noch ein weiterer ECHTER WERT in die Top-Ten schieben. Und mit den Plätzen 11 (Wolfram), 12 (Molybdän), 14 (Cobalt) und 19 (Indium) ergibt sich erneut ein sehr erfreuliches Mannschaftsergebnis.

Wenn wir schon bei Silber sind, dann können wir gleich noch eine weitere Paradedisziplin dieses Edelmetalls betrachten. Und zwar wenn es darum geht, welches Metall die beste Wärmeleitfähigkeit besitzt.

Auch da – abgesehen mal wieder vom Kohlenstoff, genauer gesagt in diesem Fall der Diamant – gewinnt Silber knapp vor Kupfer und, schon etwas weiter weg, Gold (Quelle: giga.de).

Geht es allerdings darum, wer zu den Schwergewichten unter den Metallen zählt, dann ist von Silber weit und breit nichts zu sehen. Das wäre so, als würden sie einen Zehnkämpfer in der Disziplin Gewichtheben in der obersten Gewichtsklasse antreten lassen.

Aus unserem Metall-Team kann sich Rhenium auszeichnen, welches mit Platz 4 das „Stockerl“ ganz knapp verpasst. Mit Gold, Wolfram und Tantal haben es aber noch drei weitere ECHTE WERTE geschafft, sich unter die besten Zehn einzureihen.

Apropos Gold: Wussten Sie, dass aus einem Gramm Gold ein 24 km langer Faden gezogen werden kann? Nein, wir bis vor kurzem auch nicht. Im Übrigen ist das auch ein Rekord!

Außerdem: Das Metall ist auch zu durchscheinenden Blättchen von 100 Nanometern Dicke auswalzbar, d.h. einer Dicke, die nur mehr ca. 1/10 der Wellenlänge des roten Lichtes entspricht und daher im durchscheinenden Licht blaugrün erscheint (Quelle: fh-muenster.de).

Das große Finale

Einen haben wir noch… Und zwar die Disziplin: wertvollste Substanzen dieser Erde.

Wo schätzen Sie, ist das Edelmetall Gold zu finden? Mit aktuell knapp 50 EUR für das Gramm schafft es das glänzende Metall gerade mal so, das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ zu erfüllen. Denn für Platz 10 werden schon knapp 20.000 EUR für das Gramm aufgerufen! Und zwar hält dieser Platz das Medikament Eculizumab (Quelle: finance.yahoo.com).

Unangefochtener Spitzenreiter ist die Antimaterie, deren Grammpreis auf rund 21,6 Mrd. EUR taxiert wird, gefolgt von Californium-252 mit einem Wert von 24,8 Mio. EUR.

Also wer davon ein wenig zuhause herumliegen haben sollte… herzlichen Glückwunsch!

Insgesamt rekordverdächtig ist die Anzahl der inzwischen in Smartphones verbauten Metalle. Während es zur Jahrtausendwende gerade mal eine handvoll verschiedener Metalle waren, so sind wir mittlerweile bei 53 (!) angekommen. Mit Ausnahme von Rhenium sind darunter alle anderen unserer wertvollen Metalle ebenfalls enthalten. Jeder mit einer ganz besonderen Fähigkeit. So wie es auch in allen anderen Anwendungsgebieten unserer Metalle der Fall ist.

Und ebenfalls rekordverdächtig: Könnte man diese 53 Metalle alle aus dem Smartphone vollständig recyceln, dann hätte man einen Metallwert – berechnet mit den Preisen vom ersten Halbjahr 2020 – von gerade einmal 1,11 EUR je Smartphone zur Verfügung (Quelle: deutsche-rohstoffagentur.de).

Da ist es nachvollziehbar, dass es der Industrie bis dato so schwerfällt, wirtschaftliche Recycling-Programme auf die Beine zu stellen.

Rekorde hin oder her. Letzten Endes ist für uns wesentlich entscheidender, dass unsere ausgewählten Rohstoffe dafür sorgen, unser tägliches Leben zu bereichern, zu erleichtern und dafür zu sorgen, dass es uns an nichts fehlt. Und hier machen unsere Metalle einen fantastischen Job.

Wie würde unser Werteflüsterer sagen: ECHTE WERTE eben!